Sammlerglück

Bereits zum dritten Mal bietet das Hausmuseum Villa Freischütz einer zeitgenössischen SammlerIn die Möglichkeit, ihre Schätze zu präsentieren. Die Bozner Designerin und Künstlerin Gabi Veit sammelt seit fast 20 Jahren Löffel aus aller Welt. Obwohl meist nicht größer als Teelöffel, weisen die Objekte eine große Vielfalt an Formen und Materialien auf. Vom archaisch anmutenden Holzbesteck bis zum Corporate Design der großen Fluggesellschaften reicht die Auswahl und nimmt damit in gewisser Weise die Diversität der Fromm’schen Sammlung wieder auf.  Der Löffel als elementarer Kulturgegenstand beschäftigt Veit auch in ihrer Kunst und so schuf sie bereits einige Serien zum Thema.

Hinter der Sammlervitrine verbirgt sich die Idee, der Sammlung Franz Fromms ein modernes Pendant gegenüberzustellen und so BesucherInnen  zur Reflexion über das Sammeln an sich und den Wert eines Objekts anzuregen. Dabei sollen bewusst Gegenstände präsentiert werden, die sich fernab der allseits beliebten Porzellan-Sammelteller, Thun-Engel und Käthe Kruse-Puppen bewegen und gerade innerhalb des bürgerlichen Ambientes der Villa ein Stück weit zu provozieren wissen. Auch wenn sich die Stücke von jenen der Dauerausstellung absetzen, lassen sich doch immer wieder überraschende Bezüge ziehen.

Ein Ausschnitt aus Gabi Veits „unerschöpflicher“ Löffelsammlung

Stühle aus Draht

Bereits als zur Eröffnung des Hausmuseums die Korken knallten, konnten die Gäste erfahren, was Lichtkünstler Giorgio Seppi aus den Überbleibseln des Öffnungsprozesses einer Schaumweinflasche zaubert. Aus der Agraffe, das heißt aus dem Drahtgestell sowie aus dem Metalldeckel, die den Korken umgeben, erschafft Seppi Miniaturstühle. Mit ihren teils ausgefallenen Designs buhlten sie mit ihren großen Pendants in den Salons der Villa Freischütz um die Gunst der BesucherInnen. In den Kreationen trifft feines Handwerk auf Sammelleidenschaft, denkt man nur an die große Sammlergemeinde, die gerade für Champagnerdeckel existiert.

Giorgio Seppis Miniaturstühle

Popkultur trifft auf Hochkultur

Deutlich krasser fiel der Bruch zur Dauerausstellung mit den Leihgaben Tim Koellas aus. Zu asiatischen Elfenbeinminiaturen und Meissener Porzellanfiguren gesellten sich plötzlich Raumschiffe und Charaktere aus dem Star Wars™-Universum, gebaut aus LEGO®-Steinen. Der Grundstein der Sammlung wurde bei Koella im Kindesalter gelegt, als 1999 die ersten Sets der Serie auf den Markt kamen. Freilich stand zu diesem Zeitpunkt noch der Spielwert der Objekte im Vordergrund. Erst nachdem bei ihm im Erwachsenenalter die Leidenschaft für die dänischen Klemmbausteine wieder entflammte, wurde er sich des beachtlichen Sammlerwerts bewusst, den die Objekte über die Jahre entwickelt hatten. Inzwischen wächst die Sammlung weiter an, die Modelle werden immer größer und detailreicher, hat das Unternehmen doch erwachsene SammlerInnen längst als lukrative Zielgruppe entdeckt. So wie Franz Fromms Sammlung bürgerliche Werte und Bildungsideale widerspiegelt, so manifestiert sich im Zusammentragen und Ausstellen von Figuren aus Filmen oder Comics die sinnstiftende Funktion, die die Popkultur heute im Leben so vieler Menschen erfüllt.

Ausgewählte Modelle und Minifiguren aus Tim Koellas LEGO-Sammlung